Madeira ist eine kleine Insel – knapp 57 Kilometer lang, an keiner Stelle weit von Küste zu Küste. Genau das macht sie zum idealen Standort-Revier: Du suchst dir ein einziges gutes Quartier, lässt das Gepäck liegen und fährst von dort aus alles an, was die Insel hergibt – ohne tägliches Umziehen, ohne Etappenplanung, abends immer zurück ins selbe Haus mit der Maschine sicher unter Dach. Für eine Woche brauchst du auf Madeira keinen zweiten Standort, und für zwei reicht meist ein Wechsel von der trockenen Süd- auf die grüne Nordseite.
Die eine Sache, die du bei der Quartierwahl auf Madeira verstehen musst, ist das Wetter – und zwar bevor du buchst. Die Insel hat zwei Gesichter: der Süden mit Funchal liegt fast ganzjährig trocken und sonnig, der Norden ist grün, wild und deutlich nässer, weil sich die Wolken am Gebirgskamm stauen. Wo du schläfst, entscheidet also mit darüber, wie oft du morgens in trockene Klamotten steigst. Auf dieser Seite geht es um genau das: welcher Standort zu dir passt, welche Unterkunft Madeira zu bieten hat, wie die Rechtslage beim Zelten aussieht und wie du Flug und Mietmotorrad mit deinem Quartier zusammenbringst.
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Funchal, Calheta, Machico oder der Norden: die Quartierorte und die Wetterseite
Für das Quartier auf Madeira gilt eine einfache Regel: Nord nass, Süd trocken. Wer morgens im Trockenen aufstehen und die Sachen über Nacht auslüften lassen will, schlägt sein Basislager im Süden auf. Funchal ist die naheliegende Wahl – die Hauptstadt mit dem größten Bettenangebot jeder Preisklasse, kurzem Weg zum Flughafen und zu den Mietstationen, dazu Restaurants, Werkstätten und das milde, meist sonnige Südküsten-Wetter. Von hier aus erreichst du jeden Winkel der Insel, ohne umzuziehen. Wer es ruhiger und günstiger mag, bleibt trotzdem auf der Südseite und weicht nach Westen aus.
Calheta im sonnigen Südwesten ist das entspanntere Gegenstück zu Funchal – mehr Ferienstimmung, weniger Trubel, verlässlich trocken. Wer dagegen die grüne, wilde Seite der Insel sucht, geht in den Norden nach Porto Moniz oder São Vicente: spektakulär gelegen, ursprünglicher, aber eben die nasse Seite mit häufigem Wolkenstau – schön für ein, zwei Nächte, als Dauerquartier nur mit gutem Trockenraum zu empfehlen. Im Osten ist Machico ein solider, flughafennaher Kompromiss. Für das Quartier spricht damit der Süden, für die Fahrtage der Norden – und nicht umgekehrt.
Tunnelachse VR1 im Süden, Serpentinen der ER101 im Norden
Wie weit ein Quartier von den guten Strecken entfernt liegt, lässt sich auf Madeira nicht in Kilometern messen. Entscheidend ist, ob der Weg über die Schnellstraße oder über die alte Ringstraße führt. Die VR1 zieht sich entlang der Südküste von Ribeira Brava über Funchal bis Machico und weiter Richtung Caniçal, fast durchgehend als Folge von Tunneln und Talbrücken. Sie ist kurvenlos und langweilig, aber sie halbiert Fahrzeiten. Zwei Querungen — der Tunnel unter der Encumeada Richtung São Vicente und die Nordwest-Röhren nach Porto Moniz — hängen den Norden an diese Achse an, sodass man von Funchal aus in gut einer Stunde an der Nordwestküste steht.
Die ER101 dagegen ist die alte Küstenumfahrung: einspurige Abschnitte, Felsvorsprünge, im Nordwesten stellenweise noch die historische Trasse unter überhängendem Fels. Sie macht den Reiz der Insel aus und frisst Zeit. Praktisch heißt das für die Quartierwahl: Ein Standort mit direktem Zugang zur VR1 lässt beide Optionen offen — hinaus über die kurvige Strecke, zurück über den Tunnel, wenn der Nebel kommt oder das Licht geht. Ein Quartier tief im Norden oder in einem Seitental hat diese Wahl nicht; dort ist jeder Rückweg eine volle Etappe über Serpentinen.
Zur Ost-West-Rechnung kommt die Vertikale. Die Verbindungen über den Kamm — Encumeada, die Hochplateaustraße über Paul da Serra, die Passage über Ribeiro Frio nach Norden — sind der eigentliche Grund, warum man hier fährt. Auf dem Hochplateau selbst gibt es keine Tankstelle und keine Werkstatt. Wer oben ankommt, hat im Tal getankt, oder er dreht um.
Die Wolkenkante über Funchal: warum das billigere Zimmer weiter oben im Grauen liegt
Über der Hauptstadt zieht sich die Bebauung vom Hafen bis weit über 500 Meter hinauf: Monte, São Roque, die Hänge über Caniço und São Gonçalo. Die Zimmerpreise sinken mit jedem Höhenmeter, der Ausblick wird besser, und genau dort verläuft an vielen Tagen die Grenze zwischen Sonne und Wolke. Der Nordostpassat drückt Feuchtigkeit gegen das Gebirge; die Untergrenze der Wolken pendelt typischerweise zwischen mittlerer Hanglage und Kammhöhe und liegt im Süden meist höher als im Norden. Ein Quartier auf 700 Metern über Funchal kann deshalb wochenweise in der Wolke hängen, während die Uferpromenade darunter im Licht liegt.
Dazu kommt der Verkehr. Die Hangstraßen der Hauptstadt sind eng, unübersichtlich und morgens wie nachmittags dicht — jede Fahrt zwischen Zimmer und Küstenstraße kostet zwanzig Minuten Stop-and-go in Serpentinen, mit Bussen im Gegenverkehr und Fußgängern an Stellen ohne Gehweg. Wer das täglich zweimal fährt, verliert im Wochenverlauf spürbar Zeit und Nerven.
Die brauchbare Mitte liegt tiefer, als es die Aussichtsbilder nahelegen: knapp über der Stadt, mit kurzem Anschluss an eine der Auffahrten zur VR1, aber unterhalb der üblichen Wolkenbasis. Eine Höhenlage lohnt sich für die Nacht — kühler, ruhiger, ohne Hafenlärm —, sie darf nur nicht so hoch liegen, dass die Maschine jeden Morgen erst durch Nebel ins Trockene muss.
Stadthotel, Quinta oder Ferienwohnung: die Unterkünfte der Insel
Bei der Unterkunft hast du auf Madeira drei sinnvolle Wege. Das Stadthotel in Funchal ist die bequemste Lösung: Betten in jeder Kategorie, oft mit abschließbarem Innenhof oder Tiefgarage fürs Motorrad, Frühstück früh, alles fußläufig. Die madeirensische Besonderheit aber ist die Quinta – ein historisches Herrenhaus, meist mit üppigem Garten, in Hanglage über der Küste, häufig aufwendig zum kleinen Hotel oder Gästehaus umgebaut. Hier schläfst du zwischen alten Bäumen und Bougainvillea, mit einem sicheren Stellplatz im ummauerten Hof und einem Charme, den kein Neubau bietet. Für die Motorradwoche ist die Quinta das Quartier mit dem meisten Charakter.
Die Ferienwohnung lohnt sich vor allem für Paare und kleine Gruppen: eigener Schlüssel, eigene Küche, Platz zum Trocknen der Klamotten und aufgeteilt oft günstiger als das Hotelzimmer. Achte bei allen drei Formen auf zwei Dinge, die auf Madeira besonders zählen. Erstens der Stellplatz: Die Insel ist steil und eng, ebene, sichere Parkflächen sind nicht selbstverständlich – frag konkret nach, wo das Motorrad steht. Zweitens ein Trockenraum oder wenigstens ein überdachter, luftiger Platz: Wer auf der Nordseite unterwegs war, kommt in der Regel einmal nass zurück, und in der feuchten Inselluft trocknet über Nacht nichts von allein.
Quinta-Kultur: Herrenhäuser, Levada-Gärten und die enge Zufahrt
Die Quinta ist mehr als eine hübsche Unterkunft, sie ist ein Stück madeirensische Geschichte. Der Reichtum der Insel kam über Jahrhunderte aus der Landwirtschaft: erst Zuckerrohr, dann der berühmte Madeira-Wein, später Bananen. Wohlhabende Kaufmanns- und Gutsbesitzerfamilien ließen sich an den Hängen über Funchal Landsitze bauen – genau diese Herrenhäuser heißen Quinta. Viele stehen bis heute, umgeben von terrassierten Gärten, und sind zu Gästehäusern und kleinen Hotels umgebaut worden.
Das Herzstück jeder Quinta ist der Garten. Madeiras mildes, feuchtes Klima lässt hier Pflanzen aus aller Welt gedeihen, und die alten Anwesen wuchsen über Generationen zu subtropischen Sammlungen heran, bewässert über die Levadas, die das Bergwasser bis in die Hanglagen führen. Schon im 19. Jahrhundert war die Insel ein beliebtes Winterquartier für europäische Kurgäste, und mancher Landsitz beherbergte damals betuchte Dauergäste.
Für die Anreise mit dem Motorrad ist vor allem die Zufahrt eine Sache für sich: enge, steile, oft nur einspurige Gassen führen zu den Hanglagen hinauf, hier hilft nur langsames, vorausschauendes Fahren. Wer eine Quinta bucht, fragt am besten vorab, ob die letzte Etappe auch für eine beladene Maschine machbar ist.
Ein einziger Campingplatz bei Porto Moniz: Zelten nur mit Genehmigung
Wildcampen ist in Portugal grundsätzlich verboten, und Madeira ist keine Ausnahme – die nationalen Gesetze gelten auf der Insel genauso wie auf dem Festland. Was früher stillschweigend geduldet wurde, ist seit der Verschärfung 2021 tabu und wird kontrolliert. Wer einfach irgendwo die Zeltbahn spannt, riskiert ein Bußgeld, das je nach Ort zwischen etwa 30 und 600 Euro liegt und in Schutzgebieten und an der Küste deutlich höher ausfallen kann. Gerade Madeira mit seinen vielen Natur- und Schutzzonen ist der falsche Ort, um es darauf ankommen zu lassen.
Die legale Alternative ist überschaubar, denn Madeira ist kein Campingland. Es gibt genau einen richtigen offiziellen Campingplatz, und der liegt im Norden bei Porto Moniz, an der Mündung der Ribeira da Janela – schön gelegen, mit Rezeption, Sanitär, Küchenbereich und Waschmaschine, aber eben auf der nassen Inselseite. Für den Zelturlauber ist das die eine verlässliche Adresse; wer die ganze Insel mit dem Zelt bereisen will, kommt an ihr kaum vorbei. Klassische Wohnmobil-Stellplätze wie auf dem europäischen Festland gibt es hier praktisch nicht. Dazu kommen über die Insel verteilt ausgewiesene Trekking- und Zeltbereiche in der Natur: meist kostenlos, aber nur mit vorab eingeholter Genehmigung der Forstverwaltung – ohne Papier kein legales Zelt. Das ist etwas Bürokratie, dafür schläfst du sorgenfrei; für den Motorradurlaub sind diese Plätze allerdings eher Wanderer-Terrain und als planbares Nachtquartier für die Maschine kaum zu gebrauchen.
Praktischer Tipp fürs Packen: Auch wenn es im Süden warm und trocken ist, wird es in den Höhenlagen und nachts im Norden empfindlich kühl und klamm. Ein warmer Schlafsack und die Möglichkeit, die Sachen zu trocknen, machen den Unterschied. Wer nicht am Zelt hängt, fährt auf Madeira mit einer festen Unterkunft ohnehin entspannter – bei nur einem echten Platz und viel Feuchtigkeit auf der Nordseite ist das feste Quartier für die meisten Motorradfahrer die klügere Wahl.
Übernachten in den Bergen – die Serra als Höhenquartier
Fast alle Betten der Insel liegen an der Küste, doch wer den Kontrast sucht, findet in den Bergen eine ganz eigene Übernachtungswelt. In der Serra – etwa im Hochtal von Serra de Água oder rund um das Hochplateau Paul da Serra – liegst du auf tausend Metern und mehr, mitten in den Wolken, die sich tagsüber an den Gipfeln stauen. Das hat seinen Reiz: An klaren Morgen stehst du über einem Meer aus Nebel, während die Küste noch grau daliegt, und die Nächte bleiben selbst im Sommer angenehm kühl.
Der Preis dafür ist das Wetter. In der Höhe ist es feucht, kühl und häufig neblig, ein Höhenquartier braucht ganzjährig Heizung und einen trockenen Platz für die Ausrüstung. Fürs Motorrad ist die Serra Reiz und Vorsicht zugleich: Die Bergstraßen hier oben sind eng, kurvig und ziehen schnell zu, aus Sonne wird binnen Minuten dichter Nebel mit wenigen Metern Sicht. Wer oben schläft, legt die Fahrt hinauf und hinunter besser ins Tageslicht und ist bei aufziehenden Wolken lieber früher zurück. Als Dauerquartier taugt die Serra nur für Fahrer, die Kälte und Feuchte nicht scheuen – für ein, zwei Nächte mit Bergpanorama ist sie ein Erlebnis, das die Küste nicht bietet.
Santana und der Nordosten als zweite Basis
In der üblichen Standortdiskussion taucht der Nordosten selten auf, dabei ist er die stimmigste Basis für alle, die den Bergteil der Insel im Zentrum ihrer Woche sehen. Santana liegt auf halber Höhe über der Nordküste, bekannt durch die spitzgiebeligen, strohgedeckten Casas de Colmo, und ist zugleich der natürliche Ausgangspunkt für die Auffahrt über Ribeiro Frio ins Hochgebirge und für die Straße zum Pico do Arieiro. Nachbarorte wie Faial, São Jorge oder Ponta Delgada bieten Gästehäuser und Ferienhäuser in kleiner Zahl, dafür ohne den Betrieb der Südküste.
Der Nordosten hat gegenüber dem Nordwesten einen handfesten Vorteil: Er ist über die ausgebaute Strecke an der Küste und über die Bergstraße gleich zweifach erschlossen, und der Flughafen liegt näher als jeder andere Punkt der Nordseite. Wer eine Woche bleibt und die Insel in einen Süd- und einen Nordblock teilt, hat mit Funchal und Santana zwei Quartiere, zwischen denen ein einziger Umzug liegt — mit einer Fahrt, die selbst über die Berge kaum eine Stunde dauert.
Der Preis ist die Ausstattung. Restaurants schließen früher als in der Hauptstadt, das Bettenangebot ist überschaubar, und an einem Tag mit festsitzender Wolkendecke sitzt man im Grauen, während die Südküste in der Sonne liegt. Für Fahrer, die früh los und früh zurück sind, ist das kein Nachteil — der Nordosten liegt morgens häufiger frei als am Nachmittag.
Porto Santo – die Nachbarinsel per Fähre
Zu Madeira gehört eine zweite bewohnte Insel, und sie ist das komplette Gegenteil: Porto Santo, gut 40 Kilometer im Nordosten, ist flach, trocken und von einem kilometerlangen goldgelben Sandstrand gesäumt. Während die Hauptinsel grün, steil und kurvenreich ist, wirkt Porto Santo karg und weit – eine andere Welt, nur eine Fährfahrt entfernt.
Die Fähre fährt von Funchal ab und braucht gut zwei Stunden über den offenen Atlantik, das Motorrad kann mit an Bord. Als Übernachtungsziel ist Porto Santo ein ruhiger Kontrapunkt zur engen Hauptinsel: ein paar Hotels und Ferienwohnungen nahe am Strand, wenig Verkehr, kurze Wege. Zum Fahren gibt die kleine Insel nicht viel her, dafür einen entspannten Tag am Meer. Zwei Dinge gehören zur Planung: Bei Wind schaukelt die Passage kräftig, und in der Hauptsaison sind die Fahrzeugplätze früh vergeben. Für die meisten reicht ein Tagesausflug, wer aber einmal am langen Strand aufwachen möchte, bleibt eine Nacht.
Anreise per Flug: Mietmaschine ohne Koffersatz – und was das fürs Zimmer heißt
Madeira erreichst du praktisch nicht per Fähre mit dem eigenen Motorrad – eine verlässliche Autofähre vom Festland gibt es nicht, die Insel liegt rund 800 Kilometer draußen im Atlantik. Der realistische Weg ist also: Flug nach Funchal (Flughafen Cristiano Ronaldo, FNC) und vor Ort ein Mietmotorrad. Das Angebot ist gut – rund um Funchal und am Flughafen sitzen mehrere Vermieter mit allem von Enduro über Reise- bis Tourenmaschine, viele liefern die Maschine sogar direkt ans Hotel oder an den Flieger. Du kommst also mit Handgepäck und Helm an und rollst am selben Tag los. Für die Standortwahl heißt das: Buch dein Quartier im Süden nah an Funchal, dem Flughafen oder der Mietstation, dann sind Abholung und Rückgabe unkompliziert und du verlierst keinen halben Tag mit Anfahrt.
Die Anreise per Flug verschiebt außerdem die gesamte Ausrüstungsfrage. Auf der Mietmaschine sitzt in der Regel kein Alukoffer-System, häufig nur ein Topcase oder gar nichts, und was fest ans Motorrad gehört, ist auf Madeira nicht zu leihen. Die Konsequenz für die Unterkunft ist direkt: Ein Etappenurlaub mit täglichem Ortswechsel ist ohne Gepäckträger schlicht unbequem, weil Kleidung, Regenkombi und Wanderschuhe in Rucksack und Hecktasche wandern. Der Standort steht damit nicht aus Bequemlichkeit fest, sondern aus Ausrüstungsgründen. Was daraus für die Quartierwahl folgt:
- Ein Zimmer, in dem der Hartschalenkoffer die ganze Woche stehen bleiben kann, ohne dass er zwischen Bett und Tür stört — in kleinen Stadtzimmern ein realer Faktor.
- Ein abschließbarer Raum für Helm und Kombi. Auf der Maschine bleibt ohne Koffer nichts zurück, alles wandert abends mit nach oben.
- Waschmöglichkeit bei Aufenthalten über eine Woche, weil das Fluggepäck die Kleidungsmenge begrenzt.
- Eine Adresse, die eine Übergabe zulässt: Viele Vermieter bringen die Maschine zum Quartier, brauchen dafür aber eine Halte- und Abstellmöglichkeit vor dem Haus. In einer Gasse der Zona Velha mit Pollern ist das etwas anderes als an einer Hoteleinfahrt.
Im Winterhalbjahr kommt der Faktor Tageslicht dazu. Madeira liegt in derselben Zeitzone wie Lissabon und deutlich südlicher als die Alpen, trotzdem steht die Sonne im Dezember gegen 17 Uhr tief, und in den Nordtälern wird es früher dunkel als die Uhr vermuten lässt. Eine Bergstrecke ohne Leitplanke im Dunkeln zu fahren, ist keine gute Idee — die Rückkehr ins Quartier gehört in die letzten Stunden mit Licht. Kurze Wege zwischen Bett und Hauptachse sind im Winter damit wertvoller als im Sommer, und die feuchte Kälte der Nächte macht Häuser mit funktionierender Heizung dem hübschen Altbau ohne Wärmequelle überlegen.
Die letzten dreihundert Meter zum Zimmer: Calçada, Steigung und der ebene Stellplatz
Die schwierigste Passage eines Madeira-Tages liegt oft nicht am Encumeada-Pass, sondern zwischen der Hauptstraße und dem Hoftor der Unterkunft. Die Insel ist über Jahrhunderte in Terrassen bebaut worden, und die Wege zu den Häusern folgen dieser Struktur: Sie steigen kurz und brutal an, knicken im rechten Winkel ab und sind an der Engstelle keine drei Meter breit. Zweistellige Steigungsprozente auf den letzten hundert Metern sind auf den Hanglagen über Funchal, in Câmara de Lobos oder in den Dörfern der Nordküste nichts Ungewöhnliches.
Für die Maschine bedeutet das zweierlei. Erstens: Anfahren am Berg mit vollem Tank und Sozia gehört zum Alltag, und wer sich verschätzt hat, kann eine schwere Reiseenduro auf zwölf Prozent Gefälle nicht mehr rückwärts hinausschieben. Zweitens: Ein großer Teil der alten Wege ist mit Basaltpflaster belegt, der klassischen portugiesischen Calçada. Trocken hat sie ordentlichen Grip, feucht und mit einem Film aus Blütenstaub oder Diesel wird sie glatt wie Seife. Genau diese Kombination — nass, steil, gepflastert, eng — trifft man auf der Zufahrt zu einem Quartier deutlich häufiger als auf der Tour. Woran ein brauchbarer Stellplatz am Ende dieser Zufahrt erkennbar ist:
- Eine ebene Fläche, auf der der Seitenständer nicht ins Gefälle zeigt — auf Hangterrassen die Ausnahme, nicht die Regel.
- Fester Untergrund statt Kies oder Gartenerde; auf Kies sinkt der Ständer über Nacht ein.
- Platz zum Wenden ohne Schieben, sonst wird jeder Aufbruch zur Rangierübung.
- Eine Zufahrt, die auch der Mietwagen-Verkehr des Hauses nutzt — was ein Kleinwagen schafft, schafft ein Motorrad meist auch.
Wer in einem der Bergdörfer wohnt, stellt die Maschine ohnehin oft nicht am Haus ab, sondern auf dem Dorfplatz oder an der Kirche. Das ist auf Madeira unproblematisch, kostet aber ein paar Minuten Fußweg mit Helm und Tankrucksack — bei einer Woche Aufenthalt vierzehn Mal.
Salzluft und Kondenswasser über Nacht
Madeira liegt mitten im Atlantik, und die Luft ist entsprechend salzhaltig. Ein Motorrad, das eine Woche lang ungeschützt an einer Küstenpromenade steht, trägt am Ende einen feinen, klebrigen Film aus Salz und Feuchtigkeit auf Kette, Bremsscheiben und blanken Schrauben. Bei einer Mietmaschine geht das zu Lasten des Vermieters, unangenehm wird es trotzdem: Eine über Nacht angerostete Bremsscheibe rubbelt am Morgen, und eine trockene Kette quittiert die Salzluft mit Geräusch.
Dazu kommt der Tau. Die Luftfeuchtigkeit ist auf der Insel ganzjährig hoch, in Hanglagen und im Norden fällt sie nachts praktisch immer aus. Sattel, Tank und Instrumente sind morgens nass, das Visier beschlägt beim Aufsetzen, und Lederhandschuhe, die über Nacht draußen am Lenker hingen, sind klamm. Ein überdachter Platz zahlt sich auf Madeira jeden Morgen aus: Eine Garage, ein Carport, ein Vordach oder der überdachte Teil einer Terrasse macht den Unterschied zwischen fünf Minuten Abtrocknen und einem verschmierten Visier auf der ersten Serpentine.
Im Zimmer selbst arbeitet dieselbe Feuchtigkeit gegen die Ausrüstung. Eine nasse Textilkombi trocknet in einem geschlossenen Altbauzimmer über Nacht nicht durch, sie riecht am zweiten Tag. Häuser mit Innenhof, Dachterrasse oder überdachtem Balkon sind hier klar im Vorteil, weil dort Luft zieht. Der oft vorhandene Ventilator im Zimmer taugt als Nottrockner, ein Bügel vor dem offenen Fenster im Windschatten ebenso.
Mit mehreren Maschinen im selben Hof
Reisen zu viert oder zu sechst verändert die Quartierfrage auf Madeira deutlich stärker als auf dem Festland, weil ebene Flächen knapp sind. Vier Motorräder brauchen mit Rangierabstand rund zwei Pkw-Stellplätze, und genau die hat eine Quinta in Hanglage meist nicht doppelt frei. Häuser mit eigenem Parkdeck oder ummauertem Hof liegen fast alle im Süden und in den größeren Orten, im Bergland ist der Dorfplatz die realistische Lösung für die Gruppe.
Der zweite Punkt ist der Aufbruch. Sechs kalte Motoren in einer engen Gasse zwischen Wohnhäusern sind um sieben Uhr morgens ein Ereignis für die ganze Nachbarschaft, und Madeiras Dörfer haben Wände aus Stein und Gassen als Hallraum. Gruppen fahren im Ort besser im Standgas hinaus und drehen erst auf der Durchgangsstraße auf. Ein Quartier direkt an einer Hauptstraße ist für die Gruppe deshalb weniger heikel als das idyllische Haus am Ende einer Sackgasse.
Praktisch dazu gehört die Frühstücksfrage. Kleine Häuser servieren am Tisch statt am Buffet, was für sechs Personen mit einem gemeinsamen Starttermin Zeit kostet. Eine Ferienwohnung oder ein ganzes Ferienhaus löst das für Gruppen sauberer als sechs Einzelzimmer, dazu kommen Küche, Waschmaschine und ein Raum, in dem die nasse Ausrüstung aller Fahrer Platz hat. Abgerechnet wird in solchen Häusern häufig für die gesamte Einheit, was die Aufteilung in der Gruppe vereinfacht.
Zwischen Levada-Gästen: Wetterauskunft an der Rezeption, Shuttle vor der Tür
Madeiras Tourismus lebt zu großen Teilen vom Wandern entlang der Levadas, und die Häuser sind auf dieses Publikum eingerichtet. Für Motorradfahrer bringt das Vorteile, die in keiner Beschreibung stehen: Wo Wandergäste einkehren, gibt es fast immer einen Raum zum Trocknen von Schuhen und Jacken, oft mit Entfeuchter, dazu Frühstück ab einer Uhrzeit, die zur Tour passt, und Personal, das Wetterlagen am Berg realistisch einschätzt. Die Auskunft, dass es auf Paul da Serra seit dem Morgen zuzieht, bekommt man an der Rezeption eines Wanderquartiers verlässlicher als aus jeder App.
Die Kehrseite liegt vor der Tür. Wandergruppen werden mit Kleinbussen abgeholt, und zwar früh. In den engen Zufahrten der Hanglagen bedeutet ein wartender Transferbus, dass zwischen halb acht und neun kein Durchkommen ist. Eine an der Hauswand abgestellte Maschine steht in dieser halben Stunde entweder eingeklemmt oder im Weg. Ein Stellplatz, der nicht in der Wendeschleife des Shuttles liegt, spart täglich Diskussionen.
Der zweite Effekt betrifft die Belegung. Die klassischen Wanderorte im Nordosten und rund um Rabaçal ziehen ihre Gäste in Gruppen an, und kleine Häuser mit sechs oder acht Zimmern sind dann komplett belegt. Einzelzimmer für zwei Nächte lassen sich in solchen Häusern schlechter unterbringen als eine ganze Wandergruppe, die eine Woche bleibt. In den Küstenorten der Südseite spielt dieser Mechanismus keine Rolle, dort ist der Bestand groß genug.
Frühstück ab halb neun, Abendessen ab sieben: der Tagesrhythmus im Quartier
Der portugiesische Tagesrhythmus ist nach hinten verschoben, und das trifft die Verpflegung im Quartier an beiden Enden. Warm gegessen wird mittags etwa ab halb eins, abends selten vor sieben, in Funchal füllen sich die Lokale eher gegen neun. Die Küchen der Dorfrestaurants machen dazwischen zu. Eine Rückkehr um halb sechs aus den Bergen führt in den Nordorten regelmäßig vor verschlossene Türen, während im Süden die Touristengastronomie durchgehend geöffnet hat.
Am Morgen ist es umgekehrt. Das Frühstück in kleinen Gästehäusern und Quintas beginnt oft erst gegen halb neun, und die ersten zwei Stunden Tageslicht sind auf Madeira die wertvollsten: Die Wolken über dem Kamm bauen sich im Lauf des Vormittags auf, der Verkehr in den Hangstraßen von Funchal ebenfalls. Ein Zimmer mit Wasserkocher oder kleiner Küchenzeile verschiebt den Start um eine gute Stunde nach vorn. Die zweite Möglichkeit ist die Pastelaria im Ort, die deutlich früher aufmacht als die Hotelküche und außer Kaffee auch bolo do caco serviert, das flache Fladenbrot mit Knoblauchbutter.
Was im Quartier über den Abend entscheidet:
- Ein Kühlschrank im Zimmer, weil der Einkauf am Nachmittag stattfindet und das Abendessen manchmal ausfällt.
- Lage im Ortskern statt am Hang darüber: Nach dem Abendessen noch einmal in Stiefeln eine Serpentine hinauffahren, ist der unnötigste Kilometer des Tages.
- Größere Einkaufsmöglichkeiten gibt es in Funchal, Machico, Ribeira Brava und Santa Cruz, in den Bergdörfern nur kleine Läden mit Mittagspause.
Ein Wort zur Poncha, dem Inselgetränk aus Zuckerrohrschnaps, Honig und Zitrussaft: Sie schmeckt harmlos und ist es nicht. In Portugal gilt eine Promillegrenze von 0,5, für Fahrer in den ersten Jahren nach dem Führerscheinerwerb 0,2. Die Runde im Hof gehört deshalb an den Abend vor einem Ruhetag, nicht vor die Auffahrt zum Pico do Arieiro.
Alojamento Local, Ausweis und Übernachtungsabgabe: die Formalitäten beim Ankommen
Private Ferienwohnungen, Gästehäuser und kleine Quintas laufen in Portugal unter der Rechtsform Alojamento Local, kurz AL. Am Eingang hängt eine standardisierte Plakette mit der Registriernummer, und die Nummer taucht in der Buchungsbestätigung auf. Ein Haus mit AL-Registrierung ist offiziell als Beherbergung zugelassen, hat eine Haftpflichtversicherung und unterliegt Auflagen zu Brandschutz und Ausstattung. Das ist der Unterschied zwischen einer regulären Vermietung und einem privat weitergereichten Zimmer ohne jede Absicherung.
Beim Ankommen gehört der Ausweis auf den Tisch. Beherbergungsbetriebe in Portugal sind verpflichtet, ausländische Gäste an die Behörden zu melden, weshalb Pass oder Personalausweis eingescannt wird. Für die Rechnung fragt das Personal nach der Steuernummer, dem contribuinte. Ohne portugiesische Nummer genügt ein kurzer Hinweis, die Rechnung wird dann ohne ausgestellt. In Funchal kommt eine kommunale Übernachtungsabgabe hinzu, die pro Person und Nacht anfällt und getrennt vom Zimmerpreis abgerechnet wird.
Kleine AL-Häuser haben keine durchgehend besetzte Rezeption. Die Schlüsselübergabe läuft über eine vereinbarte Uhrzeit, eine Schlüsselbox oder einen Nachbarn, und die Ankunftszeit wird deshalb im Voraus abgestimmt. Für die Anreise per Flug ist das relevant, weil sich die Abholung des Mietmotorrads am Flughafen und die Schlüsselübergabe im Quartier zeitlich nicht überschneiden dürfen. Beim Strom gibt es dagegen nichts zu bedenken: Portugal nutzt 230 Volt und dieselben Schuko-Steckdosen wie Deutschland und Österreich, Ladegeräte für Intercom, Kamera und Heizweste laufen ohne Adapter.
Ganzjahresinsel – warum es keine echte Nebensaison gibt
Madeira gilt als Ganzjahresziel, und für die Quartiersuche hat das eine handfeste Folge: Eine echte Nebensaison mit leeren Häusern und Schnäppchenpreisen gibt es kaum. Das milde Klima füllt die Insel das ganze Jahr über – Wanderer im Frühjahr und Herbst, Sonnengäste im Sommer, Überwinterer und Silvesterbesucher in der kalten Jahreszeit. Gerade die Jahreswende, wenn Funchal für sein großes Feuerwerk bekannt ist, ist die teuerste und vollste Zeit der Insel.
Für Motorradfahrer ist das zunächst eine gute Nachricht: Das milde Klima erlaubt Motorradurlaub auch im Winterhalbjahr, wenn die Alpen längst zu sind. Nur sollte man nicht auf den letzten Drücker buchen und billige Winterpreise erwarten – die guten Quintas und die Häuser mit sicherem Stellplatz sind auch außerhalb des Hochsommers gefragt. Wer eine bestimmte Unterkunft und ein Mietmotorrad zur selben Zeit will, kümmert sich früh darum; die Preise geben in den ruhigeren Monaten zwar etwas nach, brechen aber nicht ein. Plane die Reise wie in einer durchgehenden Saison, dann passen Quartier und Maschine zusammen. Der einzige dauerhafte Vorbehalt bleibt das Nordwetter: Plane die Insel vom trockenen Süden aus, egal in welchem Monat.
Wenn die Portale nichts zeigen: das Tourismusbüro in Funchal und die Info-Punkte der Insel
Wenn du vor Ort noch etwas brauchst – ein Zimmer für die nächste Nacht, einen Tipp zu einer Quinta oder Kartenmaterial – ist das Tourismusbüro in Funchal die zentrale Anlaufstelle, dazu kleinere Info-Punkte in den größeren Orten der Insel. Gerade abseits der Hauptstadt, wo nicht jede Quinta und jedes Gästehaus prominent online buchbar ist, kommst du über einen kurzen Anruf oder das Büro oft schneller und persönlicher ans Zimmer als über die großen Portale – und erfährst nebenbei, welche Häuser wirklich einen sicheren Stellplatz haben.
Woran du ein gutes Motorradhotel auf Madeira erkennst
Nicht jedes Hotel ist auf Motorradfahrer eingestellt. Diese Kriterien machen den Unterschied, wenn du dein Quartier auswählst:
Abschließbare Garage
Die Maschine steht nachts trocken und aus dem Blick – kein Abdeckplanen-Zirkus auf dem Parkplatz.
Trockenraum
Nasse Kombi und Handschuhe über Nacht trocknen, damit du morgens nicht in die klamme Montur steigst.
Schrauberecke & Waschplatz
Werkzeug, Kettenspray und ein Platz zum Abspritzen für die kleine Wartung am Abend.
Tourentipps vom Wirt
Gastgeber, die selbst fahren, kennen die Strecken vor der Haustür besser als jede Karte.
Ladepunkt
Wer elektrisch fährt, braucht den Ladepunkt am Quartier – noch nicht überall Standard.
Geprüfte Bewertungen
Bewertungen von Gästen, die tatsächlich dort waren.
